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Winterharte Kakteen

Vorwort

Die erfolgreiche Pflege von winterharten Kakteen hängt von dem Klima in dem Sie leben ab. In diesem Artikel schreibe ich stets über Kaktus oder Kakteen. Der Inhalt ist aber ebenso auf alle trockentoleranten Pflanzen wie Yucca, Sedum, Sempervivum, Agave und viele andere anwendbar.

Leben Sie in einer Klimazone in der es im Sommer heiß ist und im Winter trocken und kalt, werden Sie mehr Erfolg haben als in einer Klimazone in der es nass und kühl ist.

Ein Beispiel: Es gibt Gärtner in Idaho die Yucca brevifolia erfolgreich in Zone 5 (niedrigste Durchschnittstemperatur -30°C) pflegen, weil sie heiße Sommer und kalte Winter haben. In Idaho schneit es viel, allerdings ist der Schnee selten nass. Es ist meistens sehr trocken.

An meinem Wohnort geht die Temperatur selten unter -20°C. Es ist statt dessen um die null Grad und es friert und taut im Wechsel. Der Herbst ist feucht und mild. Somit gibt es keine Möglichkeit Yucca brevifolia dort wo ich wohne zu pflegen. Das ist gleichermaßen für Kakteen geltend. Sie mögen keine feuchten Winter, können aber überleben, wenn sie im Sommer ausreichend Nährstoffe bekommen.

In gewissem Umfang können sie dies durch ein besseres Mikroklima anpassen. Der am stärksten limitierende Faktor der das Überleben einer Pflanze sichert, ist die Temperatur des Substrates bzw. des Beetes. Je wärmer umso mehr Arten können sie in dem Substrat pflegen. Das bedeutet, das Beete in Zentraleuropa mehr Arten beherbergen können als Beete in Nordeuropa. Ein weiterer Faktor der Ihre Fähigkeit Kakteen und andere Sukkulenten erfolgreich zu züchten ist eine gute Drainage. Eine Mauer, ein Steilufer ein Felsvorsprung oder ein Kiesbett kann eine erforderliche Drainage bieten. Aus meiner Sicht wäre eine gute Vorbereitung für eine Drainage ein Beet, welches nach Süden ausgerichtet ist und eine Neigung von 20-30% hat. Dies maximiert die Aufnahme an Sonnenenergie und sorgt für eine exzellente Drainage. Es ist nicht einfach zu erreichen und ihr Garten hat sicherlich seine Grenzen, sollten sie dies aber irgendwie ermöglichen würde ich dies empfehlen.

Opuntia, Sempervivum und andere (Mats Winberg)

Substrat Zusammensetzungen

Kakteen tolerieren schlechte Substrate und Bedingungen und je mehr Niederschlag sie an ihrem Standort haben umso mehr müssen Sie schlechte Böden berücksichtigen. Um schlechtere Substrate zu kompensieren sollten Sie in der Wachstumszeit zusätzlich Nährstoffe zur Verfügung stellen.

Mein Substrat wird mit gröberen Steinen (30-50mm) am Grund des Beetes vorbereitet. Die Schichtdicke beträgt 200 mm. Auf die gröberen Steine folgt eine Schicht (100-150 mm) aus Kieselsteinen, Lehm und Sand. Die oberste Schicht besteht aus größeren Steinen, Felsen und Steinmulch. (10-20 mm Größe, Schichtdicke 50 mm) Mein Beetaufbau ist für eine maximale Drainage optimiert. Humus wird nicht hinzugefügt. Der Grund hierfür: die Natur sorgt im Laufe der Zeit selbst für ausreichend humose Anteile. Eine zusätzliche Zugabe von Humus wird nicht empfohlen, da dieser Wasser speichern kann. Viele, wenn nicht sogar fast alle Kakteen (mit Ausnahme der Opuntien), mögen Felsspalten oder ein Anpflanzen direkt an größeren Felsen. Echinocereus triglochidiatus zum Beispiel mag gern von Felsen umschlossen sein. Dieses Felsmikroklima speichert Wärme und verhindert den schnellen Wasserverlust. Der Steinmulch speichert an der Oberfläche zusätzlich Wärme und verbessert das Mikroklima.

Opuntia tortispina (M. Rolfson)


Volle Sonneneinstrahlung

Wie sie sicherlich schon erwartet haben, mögen alle Kakteen die volle Sonne (ein Minimum von 5 Stunden Sonnenlicht) um gut zu gedeihen und regelmäßig zu blühen. Für winterharte Kakteen gilt dies ebenso. Sie leben und könnten auch bei 2-3 Stunden zusätzliche Glieder bilden, würden aber niemals blühen. Sie könnten im Halbschatten in Colorado oder Arizona wachsen; dies wäre dann allerdings ein Äquivalent zu voller Sonneneinstrahlung über 8-10 Stunden in Schweden.

Opuntia macrorhiza, Wisconsin (M. Rolfson)

Wasserbedarf

Alle winterharten Kakteen sind dürretolerant. Das bedeutet das sie während der Wachstumsphase nicht gegossen werden müssen, es sei denn sie wurden gerade erst in das Substrat gesetzt. Wenn die Wetterbedingungen nicht optimal sind, können sie zwischen April (nachdem sie angewachsen sind) und Juni gegossen und mit stickstoffarmer Düngung versorgt werden.

Während dem Frühling und dem frühen Herbst gebe ich zusätzlich kleine Mengen Kalium- und Phosphor-Dünger. Phosphor fördert das Wurzelwachstum und Kalium stärkt die Pflanze für den Winter.

Ebenfalls wichtig ist das Entfernen des alten Substrats von den Wurzeln, da diese möglicherweise faulen könnten. Viele Gärtnereien nutzen organische Komponenten in ihrem Substrat.

Echinocereus mojavensis fa inermis x baileyi fa albispinus (M. Rolfson)

Widerstandsfähigkeit

Der Begriff „winterhart“ ist nicht klar definiert, wie man an dem Beispiel Yucca brevifolia in dem obigen Text sehen kann.

Wo befindet sich das natürliche Habitat der Pflanze? Die Antwort wird einige Hinweise liefern ob die Pflanze sehr winterhart, ein wenig winterhart oder überhaupt nicht winterhart ist. Dies ist allerdings nur ein Leitfaden. Letztendlich müssen sie es aber selbst testen.

Das Habitat ist entscheiden für die Auswahl der Pflanze und somit sollten einige Standortdaten geprüft werden. Meine Empfehlung: Wenn Sie Pflanzen für ein Beet auswählen, bevorzugen Sie Pflanzen bei denen der Standort bekannt ist. Viele Pflanzen sind Kultivare und dies bedeutet, dass sie nicht anhand Ihres Standortes beurteilt werden können. Man kann sich also stattdessen nur auf die gemeinsamen Daten für das Taxon der Sorte verlassen. Ein Beispiel: Opuntia xfragilis ´Füssen´ ist eine Hybride mit einem unbekannten zweiten Elternteil. Da aber ein Elternteil O. fragilis ist, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Hybride sehr widerstandsfähig ist. Ein anderes Beispiel ist E. triglochidiatus aus El Paso County, Colorado. Dies ist das nördlichste Vorkommen von E. triglochidiatus und sollte daher sehr kältetolerant sein.

Ebenfalls sollte man am Standort die Höhe beachten. Theoretisch wird die Temperatur um 10°C alle 1000 Höhenmeter reduziert. Eine Opuntia trichophora auf 3000 m ü. NN in Utah oder ein E. triglochidiatus auf 2750 m ü. NN in Colorado werden extreme Temperaturen im Winter überstehen.

Andere Pflanzen sind trotz des natürlichen Lebensraums erstaunlich widerstandsfähig. Cylindropuntia davisii wächst in Quay County, New Mexiko, an der Grenze zu Texas. Es gibt dort Kältephase, welche aber nicht so extrem sind. Der kälteste Monat ist der Januar mit Tiefsttemperaturen um die -3°C. Es heißt das C. davisii bis -40°C überstehen kann.

Echinocereus coccineus SB 1729 (M. Winberg)

Schutzmaßnahmen im Winter

Sollten Sie in einer Region leben in der es kalte und trockene Winter gibt, ist ein weiterer Schutz nicht erforderlich. In vielen Gebieten in Nord- und Mitteleuropa friert und taut es im Wechsel. Regen und Schnee machen hier eine Abdeckung erforderlich um die Pflanzen gut gedeihen zu lassen. Eine gute Zeit um einen Schutz aufzubauen, ist der September. Normalerweise hat der September in Schweden noch einige Phasen mit gutem Wetter, so dass der Boden abtrocknen kann. So schafft man für die kommenden Monate eine gute Grundlage für die Pflanzen um diese gut über den Winter zu bringen. Im April kann diese Abdeckung wieder entfernt werden.

Es gibt durchaus Pflanzen die auch einen nassen Winter gut überstehen können. Mit einer Abdeckung werden diese Pflanzen allerdings besser aussehen.


 

Pflanzenauswahl

Sehr winterhart (keine Abdeckung nötig)

Die folgenden Opuntia Arten sind dort wo ich lebe sehr winterhart: Opuntia fragilis und alle daraus resultierenden Hybriden, O. polyacantha und alle daraus resultierenden Hybriden, O. macrorhiza, O. pottsii, O. humifusa, O. caespitosa, O. tortispina, O. cymochila, O. pinkavae (ein wenig empfindlich gegenüber feuchtem Substrat), O. debreczyi, O. xSmithwick, O. budapest, Cylindropuntia imbricata hat sich hier, ebenso wie C. whipplei und C. davisii, als sehr winterhart erwiesen.

Viele Echinocereus Arten, wie zum Beispiel E. triglochidiatus, E. mojavensis, E. coccineus, E. viridiflorus, sind ebenfalls winterhart und stören sich nicht an dem hiesigen Klima.

Escobaria vivipara und Escobaria missouriensis sind ebenfalls winterhart.

Maihuenia poeppigii ist eine gut wachsende Pflanze, die in großen Polstern wächst.


Eingeschränkt winterharte Kakteen (Abdeckung von September bis April ist empfehlenswert)

Der Hauptgrund warum diese Pflanzen nur eingeschränkt winterhart sind, ist die feuchte Atmosphäre. Das Substrat in dem abgedeckten Beet trocknet nicht vollständig ab, da Feuchtigkeit von unten immer wieder aufsteigt. Der Tau lässt zudem die Feuchtigkeit immer wieder ansteigen.

Opuntia aurea, Echinocereus perbellus, E. chloranthos, Escobaria sneedii, Yucca baccata, Agave utahensis, A. parryi, A. neomexicana, A. havardiana.

 

Nicht winterharte Kakteen (die empfindlichsten Pflanzen sollten in einem kalten Gewächshaus oder auf einer überdachten Terasse untergebracht werden)

Hier sind die Pflanzen vor dem Regen im Winter aber nicht vor hineinwehendem Schnee geschützt.

Opuntia arenaria, O. basilaris v. brachyclada, Yucca baccata, Y. torreyi, Y. rostata, A. ovatifolia


Opuntia fragilis, Black Canyon, CO (M. Winberg)
Opuntia fragilis 'Füssen' (M. Winberg)
Escobaria vivipara, Colorado Springs, CO (M. Winberg)
Cylindropuntia imbricata FH 520, Kansas (M. Rolfson
Escobaria missouriensis MN 573 Canyon City, CO (M. Winberg)
Opuntia xpolyacantha 'Hanau' (M. Winberg)



Unten:
Eine kleine Auswahl winterharter Kakteen für einen Steingarten, vorzugsweise mit Schutz vor Regen/Schnee oder für ein Frühbeet. Suchen Sie nach mehr und geben hierfür "Winterhart" im Suchfeld ein.

Opuntia erinacea (Dove Creek, CO)
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very spiny pads, pretty pink flowers, very hardy form! W…
€1,80
Escobaria vivipara LZ 622 (W Kevin, Montana, USA)
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very hardy plants with large dark magenta-pink flowers. Have grown…
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Escobaria vivipara v. arizonica LZ 328 (Lutzens land, UT)
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very cold hardy from the Utah mountains, pretty pink flowers.…
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Opuntia macrorhiza v. stenochila
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robust stem, large yellow flower with a pale orange-red throat…
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Echinocereus reichenbachii ssp. perbellus RP 121 (Timpas, CO)
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cylindrical body, covered in spines, purple flowers, very pretty! From…
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